Burg in Kwidzyń (deut. Marienwerder)
Außer Burgen, die sich in dem Deutschordensland befanden, gab es noch Burganlagen, die das Eigentum der katholischen Diözesen waren. Die Einteilung der Güter zwischen dem Orden und den Bischöfen fand im Jahre 1243 statt. In Marienwerder gab es damals zwei separate Burganlagen: die Bischofsburg (sog. Altschlösschen) und die Kapitelsburg, die mit einem Dom gekoppelt war und als Dom-Burg-Anlage eine Festung bildete.
Das Domkapitel befand sich in dem nordwestlichen Teil der Stadt. Es wurde zwischen 1300-1330 im gotischen Stil aus Ziegeln errichtet und mit Stein untermauert. Der Bebauungsplan war für die Ordensburganlagen typisch. Es war eine Art des Konventshauses, das ein harmonisches Rechteck mit einem Innenhof bildete. Die Burgflügel wurden in den Ecken durch rechteckige Türme befestigt.
In der repräsentativen 1. Etage des Ostflügels befanden sich die sog. Infirmerie (Krankenhaus) und vermutlich auch die Wohnräume des Probstes (Vorsitzender des Domkapitels). Dort waren auch das Archiv und die Schatzkammer des Kapitels vorhanden. Im Südteil, der am größten und am breitesten war, gab es das Kapitelhaus und der Sommerremter sowie die Bibliothek und die Räume der Scholaren aus der Domschule. Der Westflügel beinhaltete Dormitorium (Schlafsaal) und war mit dem Dansker verbunden. Im Nordflügel gab es eine kleine Kapelle und einen Winterremter. Im Erdgeschoss des Nordflügels befand sich ein Kessel des mittelalterlichen Heizungssystems, der bis heute erhalten blieb. Außerdem hatte das Erdgeschoss eine wirtschaftliche Bestimmung. Es befanden sich dort Lagerräume für Brennholz, Lebensmittellager, Küchenräume, Bäckereien sowie Speisekammern. Andere wirtschaftliche Anlagen, d. h. Pferdeställe, Scheunen, Brauerei und Garten befanden sich auf dem Gebiet der Vorburg.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hatte man Renovierungsarbeiten durchgeführt und den Dom mit dem Westflügel der Burg gekoppelt. Die Bauarbeiten beim Ausbau des Danskers, des Brunnenturmes und eines monumentalen Glockenturmes wurden weitergeführt.
Die Burg des pomesanischen Domkapitels in Marienwerder enthält einen prachtvollsten Dansker von allen Ordens- und Bischofsburgen in dem ehemaligen Deutschordensland. Der Danskerturm wurde auf einer recheckigen Fläche, 54 m von Wand des Westflügels der Burg errichtet. Er ist mit der Burg durch eine Arkadenbrücke verbunden, die auf fünf massiven Pfeilern gestützt wurde. Unter dem Turm floss ein Bach, vermutlich ein Arm der Weichsel oder der Nogat.
In nächsten Jahrhunderten wurde die Burg mehrmals zerstört und umgebaut. Die Mitglieder des pomesanischen Domkapitels bewohnten die Burg bis zur Zeit der Reformation. Nach Säkularisierung wurde die Burg durch lutherische Bischöfe übernommen, die dort bis zur Hälfte des 16. Jh. wohnten. Die Burg geriet nachher in die Herrschaft des preußischen Herzogs Albrecht I. Die Kreisleiter haben die Burg in seinem Namen verwaltet. Die Innenräume der Burg wurden als Wohnräume für die Verwaltungsbehörden umgestaltet.
Nach der ersten Teilung Polens in 1772 wurde Nord- und Westflügel für den Sitz der Gerichtsbehörden geändert. Darüber hinaus hatte man erneut Umbauarbeiten durchgeführt, die das Raum- und Flursystem der Burg umgestaltet haben. Im Jahre 1798 haben die preußischen Behörden über Abbau von Süd- und Ostflügeln der Burg entschieden. Die daraus erworbenen Ziegel wurden zum Bau eines neuen Sitzes des sog. Regierungsbezirks Westpreußen ausgenutzt.
Als Behördengebäude diente die Burg bis zum Jahre 1935. In den Jahren 1935-1945 befand sich in der Burg eine Schule sowie eine Erziehungsanstalt der Hitlerjugend. In 1945 wurde die Burg durch polnisches Ministerium für Kultur und Kunst übernommen. Im Jahre 1950 führte man eine Renovierung der Innenräume durch und die Burg selbst wurde seither der Sitz des Museums.
Die Museumsammlungen präsentieren materielle Kultur des Gebietes der rechten unteren Weichsel, das u. a. Land Marienwerder und Land Stuhm umfasst.





