Burg in Tykocin
Die Burg in Tykocin wurde auf Basis einer aus dem 16. Jh. stammenden Burg, die dem König von Polen und Großherzog von Litauen, Sigismund II. August, gehörte, restauriert. Die Renovierung des Baukörpers wurde anhand archäologischer und historischer Untersuchungen durchgeführt. Die Burgumgebung wurde auch sehr genau archäologisch untersucht.
Geschichte der Burg
Die Anfänge der Stadt sind mit einer Masowien-Burg verbunden, die sich etwa 3 km südlich von aktueller Lokalisation befand. Bis heute ist in der Nähe von dem Dorf Skierki ein alte Burgruine „Zamczysko" erhalten geblieben. Zwischen dem 11. und 14. Jh. war das eine masowische Burg mit Vorburganlage. Rascher Handelsaustausch, der seit Ende des 14. Jh. zwischen Polen und Großfürstentum von Litauen stattgefunden hat, trug zur Entwicklung der Siedlung entlang der ostwestlichen Handelsroute bei. Die Handelsroute von Moskau und von Wilna in Richtung Posen und Krakau folgte zum Teil durch Grodno (deut. Hrodna) und Łomża (deut. Lomscha) und durch den Fluss Narew in der Ortschaft Nieciece, also war nur einige Kilometer von der heutigen Stadt Tykocin entfernt. Man behauptet, dass Tykocin zur Verkürzung der Route, die in Nieciece durch den Narew führte, gegründet wurde.
Der erste Lokator von Tykocin war Piotr aus Gumowo, der im Jahre 1424 von den Fürsten Janusz Mazowiecki das Privileg für die Vogtei Tykocin bekam. Im Jahre 1425 hatte der Fürst Janusz I. der Ortschaft die Stadtrechte zuerkannt. Seit 1433 gehörte Tykocin gesamt mit großen Gütern zur Adelsfamilie Gasztołd aus Litauen. Mehr als ein Jahrhundert, also bis zum 1542, gehörte Tykocin dieser Familie. Im Jahre 1522 wurde Tykocin durch erste Juden angesiedelt. Die Stadtbesitzer haben auch zu ihren litauischen Gütern russische Bevölkerung gebracht, die den Ostteil der Stadt angesiedelt hat. Die russischen Bojaren aus dem Dorf Sierki leisteten verschieden Dienste zugunsten der Herrscher aus Tykocin. In der Stadt hat man außer einer Pfarrkirche auch eine Synagoge und eine Orthodoxe Kirche errichtet.
Nach einem erblosen Tod von Stanisław Gasztołd im Jahre 1542 befanden sich die Güter von Tykocin in die Herrschaft von polnischem König Sigismund II. August. Der Könige gründete Forstrevier und Starostei Tykocin. In 1569 ist Tykocin mit dem ganzen Gebiet Podlachien zum Königreich Polen eingeschlossen worden und wurde mehrmals von solchen Königen besucht wie: Sigismund II. August, Sigismund III. Wasa, Władysław IV. Wasa. Dank einer günstigen Lage auf der Kreuzung von Handelsrouten und zahlreichen Privilegien entwickelte sich die Stadt als ein Handels- und Handwerkszentrum (Müllerei, Brauerei, Brennerei). Auf dem Narew entstand ein Hafen, von dem nach Danzig das Getreide sowie Forstgüter und Waffen transportiert wurden. Die jüdische Gemeinde gehörte zu den reichsten im Königreich Polen. Die örtliche Kehillah war nach Krakauer Kazimierz die zweitwichtigste jüdische Gemeinde in Polen.
Die Bedeutung der Stadt nahm zu, als man in der Nähe von Narew eine mächtige Festung errichtete. Diese war neben Knyszy das beliebte Aufenthaltsort des letzten Jagiellonen - des Königs Sigismund II. August. Die Festung diente als eine königliche Residenz und beinhaltete das Hauptarsenal des Königreiches sowie Bibliothek und Schatzkammer. In der Stadt funktionierte kurz eine königliche Münzstätte, die sich im Altstadt befand.
In 1661 hat der König Johann II. Kasimir die Güter von Tykocin dem Held von polnisch-schwedischen Kriegen - Hetman Stefan Czarnecki - übergeben. Im Rahmen von Familienbeziehungen befanden sie sich unter Herrschaft von Familie Branicki und wurden nach Białystok das zweitwichtigste Zentrum deren Güter in Podlachien. In der Hälfte des 18. Jh. hat Jan Klemens, der letzte Erbe der Familie Branicki, große Auflagen für Bau- und Renovierungsarbeiten, die die Stadt nach Barockart verwandelten, geleistet.
Im 19. Jh. gehörte Tykocin zur Familie Potocki und Rostworowski. Nach den Teilungen von Polen befand sich die Stadt zuerst unter preußischer Herrschaft. Nach dem Frieden von Tilsit in 1807 wurde die Stadt ein Teil des Herzogtums Warschau und von 1815 bis zum 1918 gehörte sie zu Kongresspolen. In der Zwischenkriegszeit war Tykocin ein Teil von Kreis Hochmasowien. Die Stadt wurde während des 2. Weltkriegs erheblich beschädigt und verlor die Mehrheit ihrer Bewohner, die durch die Deutschen ermordet wurden (z. B. zwischen 25-26.08.1941 wurden ca. 2500 Juden getötet). In 1950 verlor Tykocin die Stadtrechte und wurde eine kleine Siedlung.
Im Jahre 1993 hat Tykocin erneut die Stadtrechte erhalten. Zurzeit dient die Stadt als ein Gemeindezentrum der öffentlichen und wirtschaftlichen Behörden, ist ein lokales Kultur- und Sportzentrum. Die neue Funktion der Stadt bezieht sich auf Betreuung des Touristenverkehrs. Dazu trägt nicht nur eine günstige Lage im Narew-Tal bei, sondern auch die Tatsache, dass Tykocin eine der wichtigsten Positionen auf der Denkmalkarte der Woiwodschaft Podlaskie ist. Deswegen wird die Stadt alljährig durch ca. 60000 Touristen besucht. In Tykocin, wie nirgendwo in Podlachien, ist das originelle Aussehen der altpolnischen Kleinstadt erhalten geblieben. Das bezieht sich sowohl auf die räumliche Form der Stadt als auch auf die Architektur der vorigen Epochen.
Zamek w Tykocinie
ul. Puchalskiego 3
Tykocin





