Der Branicki-Palast ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Białymstok und eine der besterhaltenen Magnatenresidenz aus der Zeit von Sachsen-Polen. Der Palast wurde in Spätbarock-Stil erbaut und als „Versailles von Podlachien", Versailles des Südens oder als Polnisches Versailles genannt.
Geschichte des Palasts
Gotik-Renaissance Schloss der Familie Wiesiołowski.
Die ersten Informationen über die Siedlung stammen aus dem 16. Jh. In dieser Zeit befand sich hier vermutlich ein Gutshaus von Mikołaj Raczkowicz - des königlichen Sekretärs. Nach seinem Tod hat seine Frau Katarzyna Wołłowiczówna das Gutshaus als Heiratsgut in die Ehe mit ihrem zweiten Man - Piotr Wiesiołowski - gebracht. Er hat Hiob Breftus, den königlichen Baummeister, mit dem Bau eines gemauerten Gotik- Renaissance Schlosses beauftragt. Dieses enthielt zwei Geschosse sowie hatte einen Graben und Erdwälle.
Der polnische Sejm hat Stefan Czarnecki die Güter von dieser Region für seine Verdienste im polnisch-schwedischen Krieg gegeben. Czarniecki übergab nachher Białystok mit dem Schloss eigener Tochter - Katarzyna Aleksandra, die die Frau von Jan Klemens Branicki, eines königlichen Beamten, war. Seit dieser Zeit war das Schloss der Sitz von Familie Branicki Wappen Greif.
Geschichte des Palasts
Branicki-Barockpalast
Stefan Mikołaj Branicki, der Vater von Jan Klemens Branicki - des Großhetman der Krone, beauftragte Tylman van Gameren mit den Umbau des Wiesiołowski-Schlosses zu einer Barockresidenz. Dieser aus Utrecht in den Niederlanden stammende Ingenieur wurde früher mit dem Bau von Krasiński-Palast in Warschau sowie mit dem Bau der Residenz vom Erzbischof Michał Radziejowski in Nieborowo berühmt. Der in zwischen 1691 - 1697 durchgeführte Umbau änderte vollkommen das Aussehen des Bauwerks. Zurzeit ist aus der ehemaligen Wehrbestimmung des Schlosses nur der Umriss der Bastei in der Nähe des Teichs sichtbar. Es besteht auch eine Legende, die über einem geheimen Durchgang zwischen dem Schloss und dem Turm in der Nähe der Fahrkirche erzählt, die im 17. Jh. auch eine Wehrbestimmung hatte.
Weitere Umbauarbeiten hatten schon Jan Klemens Branicki und seine Frau Izabela Poniatowska beauftragt. Seit 1728 wurden die Umbauarbeiten unter Führung von Jan Zygmunt Deybel durchgeführt. Man hatte ein weiteres Geschoss, Tympanon auf der Fassadenseite sowie Helme auf Türmen aus der Zeit von Tylman van Gameren erbaut. Nach Deybels Tod wurden in den Jahren 1750-1771 die Umbauarbeiten unter Führung von Jakub Fontana kontinuiert. Er gestaltete den Baukörper des Palasts, Vestibül sowie Rokoko-Innenräume und in 1754 ein Treppenhaus mit Skulpturen von Jan Chryzostom Redlea „Rotator" und zwei Altanen.
In 1754 hatte der Hetman bei dem Palast eine erste Militärschule in Polen eröffnet - Wojskowa Szkoła Budownictwa i Inżynierii (deut. Militärschule von Bauwesen und Technologie). Später befand sich dort Szkoła Akuszeryjna (deut. Schule für Geburtshelferinnen) und im Jahre 1773 hatte Komisja Edukacji Narodowej (deut. Kommission für die Nationale Bildung) hier eine weitere Bildungseinheit - Szkoła Akademicka Zgromadzenia Białostockiego - gegründet.
Nach dem Testament von Hetman Branicki sollte seine Frau Izabela den Palast lebenslang beinhalten, der später der Familie Potocki gehören sollte. Mit dem Untergang von Polen haben die Erben in 1802 die Residenz an preußischen König verkauft mit der Bedingung, dass er den Palast erst nach dem Tod von Izabela übernimmt. Nach dem Frieden von Tilsit in 1807 gehörte der Palast dem russischen Zar Alexander I.
Unter russischer Herrschaft wurde seine Ausstattung vollkommen ausgeraubt. Baume und Sträucher hatte man zu Residenzen des Zaren und mehr als 20 Skulpturen aus dem Garten nach Petersburg gebracht. In 1826 hat man die Skulpturen aus der Attika, die Rokoko-Ornamente aus der Fassade sowie die Barockhelme aus dem Dach abgebaut. Nach dem Umbau der Innenräume hat man in 1841 laut dem Ukas des Zaren eine Schule für Mädchen aus besseren Kreisen gegründet - Instytut Dobrze Urodzonych Panien (deut. Institut für Fräuleins von Vornehmer Geburt). In dieser Zeit wurden auch ca. hundert Figuren aus dem französischen Garten weggenommen. Als Grund hat man die „Nacktheit" der Skulpturen und deren schlechte Auswirkung auf die Fräuleins gegeben.
Den Ersten Weltkrieg überstand der Palast ohne erhebliche Zerstörungen. Im Palast hat u. a. eine ein Feldlazarett stattgefunden. Nach dem Krieg war er der Sitz des Woiwoden und des Woiwodschaftsamtes.
Während des Polnisch-Sowjetischen Krieges befand sich im Palast der Sitz von Tymczasowy Komitet Rewolucyjny Polski - Polrewkom (deut. Vorläufiges Revolutionäres Komitee Polens).
Im Jahre 1944 wurde das Bauwerk in 70% durch die rücktretenden Deutschen zerstört. Die übrig gebliebenen Reste wurden in demselben Jahr durch die Rote Armee zerstört. Der Palast wurde nachher von 1946 bis zu 1960 unter Führung von Stanisław Bukowski wiederaufgebaut. Man hatte sich auf die Gestaltung aus dem 18. Jh. bezogen, jedoch die Eile, mit der man den Wiederaufbau durchgeführt hat, erlaubte nicht für eine volle Recherche. Deswegen scheint die Rekonstruktion der Innenräume nicht besonders treu zu sein.
Jetzt befindet sich im Palast der Sitz des Rektorats der Medizinischen Universität Białymstok.





